Umweltschutz & Vision: Allgemeine Mietautos als Alternative zum Privatwagen?

Vielleicht muss man komplett weg von der Idee des eigenen Autos. Nicht in allen Fällen, aber zumindest vielleicht wenn es um den alltäglichen Stadtverkehr geht. Grade öffentliche Stellen wie Bahnhof, Innenstadt, Einkaufszentrum, Post und Behörden sind schließlich Orte, an die jeder von uns mal muss. Was wäre es doch praktisch, wenn an diesen Orten einfach Autos stehen würden, welche man so ohne Weiteres benutzen könnte?
Einfach mal schnell vom Bahnhof in die Stadt fahren (vorausgesetzt natürlich, dass die Strecke ein Auto als Mobilität benötigt) oder als Gelegenheit für Reisenden, die vom Flughafen in die Stadt zum Bahnhof möchten.
Dieser Denkansatz gepaart mit der Umwelt im Hinterkopf hat eine ziemlich neue Idee des Autos hervorgebracht, die von der „Smart Cities“ - Gruppe als „City Car“ bezeichnet wird. Gemeint sind hiermit kleine Autos, die an festen Positionen in der Stadt gesammelt werden und die man mieten kann. Es können Mietfirmen sein, oder auch einfach nur ein paar Parktplätze, auf denen ein paar von diesen Auto stehen. Der Interessierte kann, nach einer vorherigen Anmeldung, dann einfach ein Auto nehmen und damit weiterfahren. Wenn er am Ziel angekommen ist, stellt er das Auto einfach wieder auf einem anderem „City Car“ - Parkplatz ab. Über eine Chip-Karte oder etwas Ähnlichem können dann die gefahrenen Daten erfasst und abgerechnet werden.
Nun scheint die Idee zwar auf dem ersten Moment recht nett, aber alle Vorteile erschließen sich einem nicht direkt. Es hat dann zwar nicht jeder ein Auto, trotzdem ist die Stadt dann doch aber voll mit solchen Mietwagen, oder? Nein. Die Mietwagen sind wesentlich kleiner als gewöhnliche Autos. Angetrieben werden die Wagen über ein Rand, das direkt aus dem Motorraum kommt. Dieses Rad ist so drehbar, dass der komplette Wagen auf der Stelle wenden kann. Auch birgt dieses Fahrzeug noch eine weitere interessante Eigenschaft in sich: Die Karosserie kann leicht hochgeklappt werden, sodass die Autos quasi gestapelt werden können. Insgesamt sollen so etwa sechs Autos auf einem gewöhnlichen Parkplatz untergebracht werden können. Autos, die nicht in Betrieb sind, stellen somit nicht die gesamte Stadt zu.
Auch ist der Fahrbetrieb an sich auch wesentlich Umwelt - schonender als der normaler Autos. Diese kleinen klappbaren Mietwagen werden ausschließlich über Elektromotoren gesteuert um so die Emissionen zu reduzieren.
Zwar sind noch nicht alle Probleme gelöst, wie zum Beispiel die Frage, was passiert, wenn sich zu viele Autos immer an bestimmten Plätzen sammeln, jedoch ist man guter Dinge und möchte dieses Projekt im nächsten Jahr erstmals in Taiwan testen.
Die Idee an sich von einer Art stapelbaren Fahrzeuge ist zwar nicht komplett neu (in Frankreich gibt es ein ähnliches Projekt mit Fahrrädern), trotzdem könnte es eine sinnvolle Ergänzung zum normalen, alltäglichen Autoverkehr sein.
UPDATE: 04.06.2008

Auch andere Hersteller schlafen nicht, angesichts der Tatsache, dass sich mit dem Bau alternativer Autos ein neuer (lukrativer) Markt erschließen lässt. So macht Fiat nun erneut auf sein Konzept "Phylla" aufmerksam, dass vorraussichtlich 2010 gebaut werden soll. Dass Fiat bereits so weit ist liegt daran, dass man bereits 2002 an einem Konzept (damals unter dem Namen "GM Autonomy") arbeitete und dieses konsequent weitergeführt hat.
Anders als beim obigen "Citycar" ist der/die/das "Phylla" ganz normal als Ablöse für das gewöhnliche Auto gedacht - also nicht als Sammel-Miet-Wagen-System.
Dennoch besticht das Auto durch einige interessante Neuerungen. Der kugelige Wagen besitzt kleinere Motoren an jedem Rad und kann wahlweise über Batterien oder Benzin angetrieben werden. Dass Benzin hier nur als vorläufige Variante implementiert wurde, um die Verbreitung der Auto-Alternative zu beschleunigen, lässt das ausgefeilte Strom-Konzept erahnen. So lässt sich der Wagen zum Einen über normale Steckdosen aufladen, jedoch auch über das Dach, in welches Photovoltaic-Zellen eingelassen sind.
Die Außenhülle besteht vor Allem aus biologisch abbaubarem Plastikstoffen, die das Auto laut Hersteller komplett recyclebar machen. Hergestellt werden sollen zu Beginn eine 4-Sitzer Variante, sowie ein Klein-Tranporter.
In der schnellsten Version soll das Fahrzeug bis auf 130 Kilometer pro Stunde kommen - schnell genug für die meisten Leute und auf jeden Fall genug für die Stadt.
Video
Video, das die Funktionsweise einmal zeigt
Weiterführende Links zum Thema
Website des City Cars
Das französische Gegenstück mit Fahrrädern
Der Fiat 'Phylla'