Homophobie auf Jamaika
In Zeiten in denen in Europa zunehmend Homo-Ehen befürwortet werden, scheint in anderen Ländern die Zeit stehen geblieben zu sein. So werden in Russland Homosexuelle offen diskriminiert und auf Jamaika sogar angegriffen und verpönt, als pervers und ekelhaft beschimpft. Auf Hilfe von der Polizei oder gar des Staates können diese Menschen nicht hoffen und so versuchen sie ihre Neigungen zu verbergen, ziehen sich vom Gemeinschaftsleben zurück und leben in ständiger Angst, dass jemand die "Wahrheit" erfahren könnte.
Was allerdings nur Wenige wissen, ist dass dieser Hass vieler Jamaikaner auf Schwule und Lesben auch in der deutschen Reggae Szene zu finden ist. Einige der in Deutschland populären Musiker wie zum Beispiel Beenie Man singen in ihren Liedern diskriminierende Texte und die Massen jubeln. Bei uns jedoch weniger aufgrund gleicher Einstellung als viel mehr aus mangelndem Textverständnis heraus. Sei es, weil die Texte zu schnell gesungen werden oder weil vielen die meist benutzte Sprache "Patois" einfach nicht zugänglich ist.
Menschenrechtsorganisation wie "Amnesty International" oder die "Human Rights Watch" bemühen sich seit vielen Jahren Vorurteile auf Jamaika abzubauen, doch diese sind seit vielen Generationen in der Erziehung verankert. An dieser Stelle möchten wir einige englische Berichte von Augenzeugen aufführen, die die Human Rights Watch Organisation gesammelt hat:
Police abuse prompting violence against men perceived to be homosexual:
The two male officers started to beat the man with batons. I turned to the female officer and asked, "What has he done wrong?" She turned to me and said, "Everyday me have to warn people about this guy coming on the beach. I'm going to lock him up." I said, "For what?" She didn't say. The two policemen said, "Beat him because him a battyman (homosexual)."
- Fred L., 30, who witnessed police beating a man perceived to be gay and then urging others to beat him because he was homosexual on June 18 2004 in Montego Bay. The man fled the police and according to local accounts, was chopped, stabbed, and stoned to death by a crowd.
Police abuse of people living with HIV/AIDS:
The police asked "Eh boy, how you look so, w’happen to you?” The person say, "I have AIDS and I want to take my medication.” Police say, "you must be battyman. [homosexual] Eh boy, eh boy, move your AIDS self from here. Mind me turn mi gun pon yuh and kill you. Watch out because I might turn my gun on you and kill you.
- Paul M., 40, told Human Rights Watch that in 2003 he was with a friend who had AIDS when the police approached them
Police interference with access to HIV prevention services:
Police always try to get in the way of handing out condoms. . . . Police say, "how can you be handing out condoms to battymen. . . . We do not encourage you to do this work because battymen fi dead. (gay men should be dead).”
- an AIDS outreach worker in Kingston
Amnesty International veröffentlicht in regelmäßigen Abständen Berichte über die Situation der Schwulen- und Lesbenverfolgung auf Jamaika. Hier sind einige Auszüge, die auf www.amnesty.de nachgelesen werden können.
Jahresbericht 2005 von Amnesty International über Jamaika
Personen, die sich für den Schutz der Menschenrechte einsetzten, sahen sich nach wie vor Anfeindungen ausgesetzt. Im November forderte die Polizistenvereinigung Menschenrechtsgruppen auf, ihre »illegale Einmischung« einzustellen, und wirkte auf die Regierung ein, gegen Menschenrechtler Anklage wegen Aufwiegelung zu erheben.
Im November veröffentlichte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch einen Bericht über Verstöße gegen Schwule und Lesben unter dem Titel »Hated to Death: Homophobia, Violence and Jamaica’s HIV/Aids Epidemic«. Nach der Veröffentlichung dieses Berichts meldeten Homosexuellenorganisationen eine Zunahme der Übergriffe und Drohungen gegen Schwule und Lesben.
Anmerkung: Den Bericht "Hated to Death: Homophobia, Violence and Jamaica’s HIV/Aids Epidemic" findet ihr unter
http://hrw.org/reports/2004/jamaica1104/
Jahresbericht 2006 von Amnesty International über Jamaika
Schwule und Lesben sahen sich mit alltäglicher Gewalt und Diskriminierung konfrontiert. Im August wurden zwei Männer wegen homosexueller Handlungen zu zwei Jahren Haft mit Zwangsarbeit verurteilt, die Strafe allerdings für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Bei den Anhörungen waren die beiden Männer von aufgebrachten Menschenmengen beleidigt worden, die sich vor dem Justizgebäude versammelt hatten.
Im September erging Anklage gegen den populären Musiker Buju Banton. Er soll gegen sechs Männer gewalttätig geworden sein, die er für homosexuell hielt. Mehrere seiner Songtexte befürworteten Gewalt gegen Schwule und Lesben.
Im November fiel Steven Harvey, der sich im Kampf gegen AIDS engagiert hatte, offenbar aufgrund seiner Homosexualität einem Mordanschlag zum Opfer.
Das folgende Video vermittelt einen kurzen Eindruck darüber, wie auch hier bekannte Artists wie Elephant Man, Beenie Man, Sizzla oder Capleton, Textpassagen wie
"I'm dreaming of a new Jamaica, come to execute all the gays (...)"
- Beenie Man
oder
"(...) step on a queer man (...)"
- Elephant Man
benutzen:
http://www.youtube.com/watch?v=ur7HVi2rOM4
Zwar äußert sich Wyclef Jean gegen Ende des Videos in die Richtung, dass er es alles für Show halte (Ähnlich wie das Gangsta-Getue im deutschen HipHop), jedoch ist diese Position höchst fraglich, schaut man sich den folgenden ARD-Bericht über die lebensgefährliche Situation von Homosexuellen auf Jamaika an:
http://www.youtube.com/watch?v=lTe1JZu5hh4
Natürlich bleibt es jedem selbst überlassen, was er von der Lebensweise andere Menschen hält, allerdings sollten solche menschen-verachtenden Äußerungen nicht millionenweise auf der ganzen Welt in Form von Musik Tracks gefeiert werden.